Erfahrungsbericht: Polarisationsbrille

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Die Polarisationsbrille - ein unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand ?

Für mich ja ! Nicht nur beim Fliegenfischen, wo schon das Argument des Augenschutzes das Tragen einer Brille gebietet. Auch bei allen anderen Angelarten gehe ich mittlerweile nicht mehr ohne dieses Utensil ans Wasser. Etliche meiner Spinnköder würden jetzt im Wasser liegende Äste, Bäume oder Stack und andere Hindernisse zieren, hätte ich diese nicht durch die Polbrille erspäht. Vom rechtzeitigen Entdecken guter Standfische einmal ganz abgesehen. Beim Entlangpirschen an Bach und Fluss zählt halt entscheidend, wer wen als erstes entdeckt.
Mir ist es immer lieber, ich den Fisch zuerst ...

Als eindrucksvolles Beispiel für die Wirkung der Polarisationsbrille dienen die beiden obigen Fotos !

Eines davon ist durch eine (billige) Polbrille fotografiert.

Aber auch an See und Meer ist es immer von Vorteil, einen durchziehenden Schwarm oder grosse Einzelfische rechtzeitig zu orten. Oder auch nur die Strukturen unter Wasser besser zu sehen, Krautbänke, grosse Steine, die Lage der Abbruchkante usw. Beim Waten ist es ein weiterer Sicherheitsvorteil, immer zu sehen wo man hintritt. Und: Es ist auch auf die Dauer wesentlich angenehmer, nicht ständig auf das Geblitze der Reflexionen an der Wasseroberfläche zu starren.

Das Funktionsprinzip der Polarisationsbrille besteht darin, Lichtwellen mit horizontaler Ausrichtung zu blockieren. Normalerweise verteilen sich Lichtwellen gleichmäßig in alle Richtungen. Werden die Lichtwellen jedoch von der Wasseroberfläche reflektiert, bekommen sie eine horizontale Ausrichtung. Dieses Licht ist für die Augen besonders bei hoher Intensität äusserst unangenehm. Wer schon einmal bei strahlendem Sonnenschein stundenlang auf eine Pose gestarrt hat, weiss was ich meine. In solchen Situationen ist die Polbrille, wenn es eine dunkle ist, sehr angenehm.

Wunder darf man allerdings nicht erwarten. Bei schlechten Lichtverhältnissen kann es sein, das die Polbrille nur eingeschränkt hilft. Besonders der Sichtwinkel im Verhältnis zum eintreffenden Licht hat hier grossen Einfluss. Auch sollte kein Restlicht von der Seite oder von oben auf die Brille treffen, dies verringert die Funktion erheblich. Deshalb ist das gleichzeitige Tragen von Hut oder Schirmmütze von Vorteil. Manche Brillen haben eine Art "Scheuklappen" aus Leder, um Seitenlicht zu verhindern. Sieht zwar merkwürdig aus, hilft aber. Nachteil: Wenn die Brille zu sehr "geschlossen" ist, beschlägt sie bei manchen Witterungsverhältnissen schnell von innen. Wenn man schnell schwitzt oder im Hochsommer am Gewässer entlangwandert, steht man dann bald im "Nebel".
Ich musste bei meinem Modell aus diesem Grund die "Scheuklappen" entfernen. Am besten scheinen mir daher Modelle, bei denen die Gläser seitlich herumgezogen sind und die Luft trotzdem zirkulieren kann. Es gibt auch Brillen mit einer "Anti-Fog" Beschichtung gegen das Beschlagen, dies ist aber eine Preisfrage. Alternativ gibt es Antibeschlag-Spray. (Hersteller Aqua, Kostenpunkt ca 7 €)

Gute Polarisationsbrillen gibt es ab etwa 30 - 40 € zu kaufen. Es gibt auch noch wesentlich günstigere Modelle, die genau so gut funktionieren. Allerdings sind die dort meist verwendeten "Gläser" aus Kunststoff oft sehr anfällig für Kratzer. Und falls die Gläser nicht optimal geformt sind, kann es zu Verzerrungen kommen, die unangenehme Begleiterscheinungen bis hin zu Kopfschmerzen erzeugen.
Bei günstigen Brillen unbedingt darauf achten, dass UV zu 100 % absorbiert wird. Das Augenlicht sollte es einem wert sein.
Die optische Qualität der Gläser lässt sich übrigens folgendermassen überprüfen: Eine vertikale Linie anpeilen, (Bilderrahmen, Kachelfuge an der Wand oder ähnliches). Die Brille auf Armlänge von sich weghalten, und mit einem Auge auf die Linie peilen, dabei das Glas drehen. Wenn sich die Linie dabei krümmt oder verzerrt, ist die optische Qualität der Gläser nicht die beste. Ob eine Brille polarisiert ist oder nicht, lässt sich so feststellen: Hat man 2 Polbrillen zur Hand, diese hintereinander halten und eine davon um 90 Grad verdrehen. Wenn es nun pechschwarz wird und man nicht mehr hindurchsehen kann, sind die Brillen polarisiert. Wenn nicht, ist mindestens eine der Brillen nicht polarisiert. Hat man nur eine Brille zur Hand, sitzt aber vor einem TFT Display (Handydisplays gehen auch !) , hält man die Brille vor das Display und dreht diese. In einem bestimmten Winkel erscheint dann der Bildschirm schwarz, wenn es eine Polbrille ist. Über die Qualität der Filterung sagt dies allerdings noch nicht allzu viel aus. Sehr gute Brillen filtern bis zu 99 % reflektiertes Licht, andere weniger, dies lässt sich meist erst am Wasser abschliessend beurteilen.

Die Farbwahl der Gläser ist ebenfalls wichtig. Die Gläser sollten nicht zu dunkel sein, damit die Brille auch bei Dämmerung und trübem Wetter noch einen Nutzen bringt. Am besten haben sich hier gelbe oder leicht braune Gläser bewährt. Sie bringen den besten Kontrast und funktionieren auch noch bei schlechten Lichtverhältnissen. Nur bei strahlendem Sonnenschein nehme ich dunklere Gläser. Zu diesem Zweck habe ich ein etwas günstigeres Modell, welches ohnehin ständig im Auto parat liegt. Unterwegs schaue ich immer mal gerne von Brücken oder erhöhten Standpunkten in unbekannte Gewässer, da muss eine Polbrille immer zur Hand sein ! Noch zu Erwähnen wären Brillen mit photochromatischen Linsen, die sich automatisch den Lichtverhältnissen anpassen, diese liegen aber wieder in anderen Preisregionen.

Die Brillenträger unter uns werden sich nun fragen, was bringt mir das alles ? Polarisationsbrillen mit optischen Gläsern lassen sich zwar beim Optiker bestellen, dies ist aber nicht gerade günstig.
Die Meinungen über Aufsteck-Polarisationsgläser, die man auf die normale Brille klemmen kann sind auch eher zwiespältig. Auch das Tragen von Kontaktlinsen ist nicht jedermanns Sache.

Es gibt aber so genannte Überbrillen, die sich über die normale Brille setzen lassen. Es gibt sie in verschiedenen Größen und sie sind so geformt, dass auch Seitenlicht abgeschirmt wird. Laut Meinung einiger mir bekannter Brillenträger momentan die beste Lösung bei akzeptablem Preis. Solche Modelle gibt es z.B. von "LOOP" ("Loopeyes 135G", ca. 59 €) oder von "COCOON" ("Fit over" ca. 45 €, Flyfishing Brinkhoff).
Wer etwas mehr anlegen möchte, sollte sich aber ruhig einmal bei seinem Optiker erkundigen, manchmal gibt es auch dort relativ günstige Angebote.
Eine vom Optiker angefertigte Polarisationsbrille in der eigenen Sehstärke ist sicherlich das Optimum. Wenn sich allerdings die Sehstärke ändert ist dann eine neue Brille fällig.

Andreas Hebben